Wie kann man sich die Entwicklung einer Hörspielserie vorstellen?

Ich habe kein Rezept. Jedes Projekt folgt seiner eigenen Dynamik. Aber es gibt eine natürliche Reihenfolge. Es braucht eine starke Idee, die motiviert, komplexe Geschichten und Konstellationen zu ersinnen – bei einer Serie wie dieser geht die Gestaltung ja über den einzelnen Fall hinaus, muss Anknüpfungspunkte liefern und einen Kontext miterzählen, der Raum für weitere Fälle öffnet. Man verschafft sich eine Vorstellung von den Figuren, und davon, wie sie akustisch Gestalt annehmen. Das prägt dann auch den Textduktus, der ja nicht per se Literatur ist, sondern Mittel zum Zweck – Spielvorlage.

Teilweise habt ihr gemeinsam an der Entwicklung der Texte gearbeitet – wie lief die Zusammenarbeit?

Ohne Dialog geht nix. Weder im Stück selbst noch beim Verfassen. Welche Darstellung kommt an, wirkt, ist verständlich, ausdrucksstark. Das zu erkennen und die Potentiale der Einfälle zu gewichten, dafür braucht es immer wieder jemanden, der sich die Entwürfe anschaut und reflektiert. Das ist die erste Phase der Teamleistung. Eine Phase, bei der man sich manchmal auch von Motiven trennt, weil sie nicht stark genug sind. Aber das wird von der Freude darüber aufgewogen, dass anderes offenbar zündet.

Ich mag dieses dialogische Arbeiten, und kompetentes Feedback zu bekommen motiviert zusätzlich. Bei »Der letzte Tanz« (Frühjahr 2016) war ich doppelt froh, dass Viviane einige Stränge ganz eigenständig dazu gebaut hat und so auch einen stilistischen und formalen Zusammenhang zu den anderen Stücken geschaffen hat. Und ich habe mich natürlich gefreut, ein paar von meinen Einfällen in den anderen Stücken aufgenommen zu sehen.

Was gefällt Dir an der Hörspielserie um Sherlock & Watson besonders gut?

Oh! Lange Liste! Es ist alles drin, was ein Hörpielfan zu Recht erwartet. Farbe, Dynamik, Atmosphäre, reichlich was zum Knobeln. Ich bin gespannt zu erfahren, was den Hörern am besten daran gefällt.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Schreiben von Hörspielen?

Ich habe vor über 15 Jahren damit angefangen, dokumentarische Inhalte für ein Museum in fiktionale Kurzhörspiele umzusetzen. Da waren wir der Zeit weit voraus, denn im Zusammenhang mit Ausstellungen dachte man damals noch nicht an solche medialen Erweiterungen.

Dann habe ich vor allem literarische Vorlagen bearbeitet, darunter Weltliteratur wie »Die Pest« von Albert Camus.

Sherlock ist ja ein Mythos, der unendlich viele Assoziationen und Vorstellungen mit sich trägt. Es macht riesig Spaß, mit den Klischees rund um die Figuren, mit den Motiven der Originalerzählungen zu spielen und sie neu zum Glühen zu bringen.

Worin liegt der besondere Reiz ein Hörspiel zu konzipieren?

Für mich ist das Hörspiel die Kunstform mit dem besten Verhältnis zwischen Fantasie und Realisierbarkeit. Es ist so unendlich vieles möglich, was im Film oder auf der Bühne einen völlig absurden Aufwand bedeuten würde. Und wir können die Figuren von innen zeigen! Ohne visuelle Bilder zu liefern wandeln wir zwischen bombastischen Szenerien und steigen zugleich in die Köpfe unserer Protagonisten. Im Hörspiel verbinden sich die Vorzüge von Literatur und Dramatisierung, dank der Neugierde unserer Zuhörer.

Bist Du selbst Sherlock-Holmes-Fan? Welche Verbindung hast Du zu dem Stoff?

Ich wollte nie Lokführer werden, auch nicht Feuerwehrmann. Aber die Brillanz der Figur Sherlock mit allen stilistischen Besonderheiten war für den kleinen Felix ein ganz großes Vorbild.

Felix_Partenzi_Sherlock

Ich fand mich ganz gut dabei, in seine kolossalen Fußstapfen zu treten, und bis heute ist es für mich ein Ideal, wie Sherlock alle verfügbaren Kenntnisse und Fertigkeiten aufzusaugen und weiterzuentwickeln, über alle Genregrenzen und Metiers hinweg.

Was war die größte Herausforderung während der Arbeit an den Manuskripten zu den Hörspielen?

Der Stoff ist in seiner literaturgeschichtlichen Dimension und mit all seinen immer neu aufgelegten Darreichungsformen eine sportliche Herausforderung. Zum einen hat es etwas Rituelles, die viktorianische Atmosphäre in unsere Zeit hinein zu zelebrieren, zum anderen liegt die Herausforderung darin, Motive zu formulieren, die Sherlock auch heute so erleben lassen, wie es seiner Natur entspricht: seiner Zeit immer um Meilen voraus. Was für eine Klammer!

Ich denke eher situativ, da ist mir manchmal eine Stimmung, ein Moment wichtiger als die Strategie. Beim Versuch der logischen Durchdringung des Plots war ich froh, auf die Unterstützung von Viviane und dem Lektorat zählen zu können. Wie gesagt, ein sehr inspirierendes Teamplay.

Und jetzt? Gespannt auf die fertige Produktion mit Johann von Bülow als Sherlock und Florian Lukas als John Watson?

Krachgespannt! Mit der Virtuosität der beiden Darsteller wird der Text lebendig, und hoffentlich lässt die Vorlage ihre Kreativität sprühen. Durch die Interpretation werden die Stücke noch um eine Dimension reicher.

Ich erinnere mich daran, wie mir einige Szenen schon im Ohr klangen, als ich die ersten Zeilen schrieb. Es wird sich am Ende nicht genauso anhören, bestimmt nicht, aber es wird doch mindestens so intensiv werden und ordentlich unter die Haut gehen …


Kommentare

0
Es gibt noch keine Kommentare.