Zuerst ein paar kurze knackige Fragen: Ihr Wohnort?

Mittlerweile sind Mary und ich zusammengezogen, ich wohne etwas weiter draußen. Natürlich vermisse ich unseren Männerhaushalt in der Baker Street auch manchmal. Die Lage in Marylebone zwischen Retents’s Park und Hyde Park war natürlich ideal und zu dem Preis hätten wir bei den Mieten in London nie wieder etwas gefunden.

Wann sind Sie geboren?

Am 7. Juli, das Jahr bleibt mein Geheimnis.

Familienstand?

Verheiratet mit Mary Morstan.

Geschwister?

Harry – kurz für Harriet. Sie kennen Sie ja sicherlich als fleißige Kommentarschreiberin auf meinem Blog. Sie hat eine große Klappe und ein großes Herz – eigentlich keine schlechte Kombination.

Beruf?

(Militär-)Arzt, Blogger, Assistent von Sherlock Holmes … ich weiß es nicht.

Vorbilder?

Vorbilder? (denkt nach) Meine Frau Mary ist mit ihrer Ruhe und Abgeklärtheit sicherlich ein Vorbild, aber auch meine ehemalige Kollegin Brigadegeneralin Haffat bewundere ich für ihre innere Stärke.

Wofür steht das H. in Dr. John H. Watson?

Nun, was denken Sie?

Man spekuliert, dass ihr Zweitname Horatio ist, in der Redaktion glauben aber viele, dass das H. für Hamish stehen könnte…

Das bleibt dann wohl mein Geheimnis (Anm. der Red.: zwinkert verschmitzt)

Ein paar Worte zu London…

Eine großartige Stadt, und seit meiner Zeit mit Sherlock kenne ich mich weitaus besser aus als früher. Sollte ich mal nichts mehr zu tun haben, könnte ich Fremdenführer werden. Die meisten Fälle, die wir zusammen bearbeitet haben, eröffneten mir Orte, die ich sonst nie gesehen hätte.

Ich denke da beispielsweise an den ersten Fall, den wir gemeinsam bearbeitet haben – „Ein Fluch in Rosarot“ nenne ich ihn auf meinem Blog –, der uns in die Synagoge von Brixton, in die großzügigen Stadthäuser von Belgravia oder aber auch in die Villa des berühmten Schauspielers Joel Strange führte. Dann waren da natürlich auch Orte, an die ich mich weniger gerne zurückerinnere, beispielsweise die Krankenstation des MI6 in „Die Spur des Teufels“ – über diesen Fall habe ich noch nicht auf meinem Blog berichtet, Sie dürfen sich also auf neuen Lesestoff freuen.

Ich muss sagen, ich gäbe wohl einen recht ungewöhnlichen Fremdenführer ab (lacht), vielleicht wäre das ja etwas für die Rente. John Watson – Sherlock Holmes‘ Chronist führt sie an die Schauplätze des Verbrechens.

Ihr Lieblingsessen von Ihrer Vermieterin Mrs. Hudson?

Das ist schwer. Sie ist eine unglaublich gute Köchin, und ich will keine ihrer Speisen diskreditieren. Nach wie vor trinken wir gerne einen Brandy zusammen.

Sie betreiben seit geraumer Zeit einen Blog über Ihre Abenteuer mit dem Consulting Detective Sherlock Holmes. Wie sind Sie dazu gekommen?

Nun ja, als ich Sherlock kennenlernte, wusste ich nicht recht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Nach einem Militäreinsatz in Afghanistan, der viele meiner Freunde das Leben gekostet hat, litt ich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und unter Depressionen. Ich stellte mir die Frage, was ich mit meinem Leben noch anfangen sollte. Warum hatte ausgerechnet ich überlebt?

Durch einen Zufall lernte ich bei der Wohnungssuche in London Sherlock Holmes kennen. In der Rückschau war es das Beste, das mir passieren konnte. Zudem bin ich ein passionierter Leser und habe mein Leben lang geschrieben – für Schülerzeitungen, Studentenmagazine … die Arbeit mit Sherlock drängte sich als Stoff für einen Blog geradezu auf: packende Geschichten vor Londoner Kulisse und im Zentrum ein polarisierender Charakter – hätten Sie da noch gezögert?

Was gefällt Ihnen an der Blog-Arbeit besonders?

Ich glaube, was mir den Einstieg in die Blog-Arbeit in der schweren Zeit nach dem Afghanistan-Einsatz sehr erleichtert hat, war der simple Zugang. Ein paar Klicks und schon ist da ein Medium, das man den eigenen Wünschen entsprechend gestalten kann. Auch gefällt mir, dass man unmittelbar mit den Lesern in Kontakt treten kann – ein Blog entwickelt dadurch eine schöne Dynamik. Zudem lerne ich viele interessante Menschen kennen, mit ganz unterschiedlichen Einsichten in das Leben. Ich mag diese Form des Austausches, auch kritische Beiträge sind mir stets willkommen!

Und was hält Sherlock Holmes von Ihrem Blog?

Naja, Sie kennen Ihn. Natürlich hält er meine Beschreibungen für maßlos übertrieben, gerne bezeichnet er mich als sentimental, gar als Romantiker … was soll ich sagen, die Arbeit an den Fällen macht mir Spaß, sie fordert mich, und ich habe Sherlock, der, was Freundschaften anbetrifft, nun ja, eher zurückhaltend ist, ins Herz geschlossen, da kann man schon mal sentimental werden.

Sie haben lange Zeit mit Sherlock-Holmes in einer WG gelebt. Welche Macken hat er?

(lacht) Wo soll ich anfangen? Nein, lassen Sie es mich so sagen: Macken sind Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die an einem Menschen hervorstechen, die uns absonderlich oder gar absurd vorkommen. Sherlock Holmes ist in diesem Sinne ein besonderer Fall: Seine geistigen Fähigkeiten sind … naja, fast abnormal. Insofern mag sein Verhalten vielen Menschen seltsam vorkommen, in Sherlocks Universum sind sie allerdings völlig angemessen. Wir definieren Macken als etwas von der Norm abweichendes und in diesem Sinne ist Sherlock Holmes eine wandelnde Abweichung von der Norm.

Könnten Sie uns trotzdem einen Einblick gewähren?

(seufzt) Naja, wie würden Sie es finden, wenn Ihr Mitbewohner tote Tiere im Kühlschrank lagert, Selbstversuche mit giftigen Substanzen durchführt oder Schusswaffen in seinem Zimmer testet…

Wie sind Sie damit umgegangen?

Ach, wissen Sie, man gewöhnt sich an alles.

An welchen Fall mit Sherlock erinnern Sie sich besonders gerne?

Eine schwere Frage. Jeder einzelne Fall entwickelte ja eine ganz eigene Intensität. Natürlich wird mir „Ein Fluch in Rosarot“ immer als ganz besonderer Fall in Erinnerung bleiben. In „Das Rätsel von Musgrave Abbey“ habe ich mit Rebecca Westwood eine tolle Autorin kennengelernt, mit der ich noch immer in engem Kontakt stehe. Sie können sich aber auch über neue Fälle freuen. Im Moment schreibe ich an „Die Spur des Teufels“, ein Fall, der von dem schwierigen Verhältnis zwischen Russland und Großbritannien handelt, also eine Geschichte mit politischer Brisanz. Danach können sich meine Leser über einen Fall freuen, der ausnahmsweise nicht in London spielt, sondern auf dem Land – in Somerset.

Also Sherlock & Watson auf dem Lande?

Naja, vielleicht nenne ich ihn einfach „Der Somerset-Fall“.


Die ersten beiden Fälle für Sherlock & Watson erscheinen am am 23. Oktober 2015 als Hörspiel mit Johann von Bülow und Florian Lukas. Im Frühjahr 2016 geht es dann mit drei weiteren Fällen weiter!


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