Ich spreche…

Die Figur, die ich spreche, ist Mycroft Holmes; das ist der ältere Bruder von Sherlock Holmes. Er ist – wie auch Sherlock – ein Meister der Deduktion, hochintelligent, schnell, gescheit, hat einen feinen Sinn für Ironie, ist aber auch ernsthaft und zielgerichtet. Er ist Gründungsmitglied des Diogenes Clubs und steht der britischen Regierung zu Diensten. Welche Aufgabe er genau innehat, das lässt sich nicht so leicht sagen. Klar ist: er kann zu jedem Augenblick überall sein, weiß alles, sieht alles und hält die Fäden in der Hand. Eine sehr interessante Figur, weil sie so undurchschaubar ist und es gerade in der Konfrontation mit Sherlock zu einigen schönen Spannungsmomenten kommt. Diese gewitzt-bedrohliche Ambivalenz zu spielen, macht großen Spaß.

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Deine Verbindung zu Sherlock Holmes…

Die erste Figur der Kriminalliteratur, mit der ich als junger Leser und Hörspielhörer konfrontiert worden bin, war Sherlock Holmes. Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein großer Sherlock-Holmes-Fan bin. »Der Hund der Baskervilles« ist der erste große Kriminalroman, den ich gelesen habe, und ich kann mich sehr gut an eine Hörspielserie aus der 1980er Jahren erinnern, in der der große Peter Pasetti und Joachim Wichmann Holmes und Watson gesprochen haben. Die habe ich als Kind rauf- und runtergehört. Danach habe ich mir die alten Holmes-Hörspiele besorgt, die waren vom Bayrischen Rundfunk, in denen auch Pasetti den Holmes gesprochen hat. Später gab es dann ja noch die wunderbaren Hörspiele mit Walter Renneisen und Peter Fitz. Oder die wunderbaren Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce, später mit Jeremy Brett. Allesamt Klassiker im Holmes-Kosmos, und von mir immer mit Begeisterung konsumiert.

Als ich das erste Mal nach London gefahren bin (ich glaube, da war ich 16 Jahre alt), war der einzige wirkliche Grund für mich dorthin zu fahren, auf den Spuren von Sherlock Holmes zu wandeln. Ich habe sogar in seinem Arbeitszimmer im Ohrensessel gesessen. Dankenswerterweise sind wir über keine Leiche gestolpert und keinem Meuchelmörder in die Arme gerannt.

Die neue Hörspielserie von DAV…

Besonders reizvoll an der neuen Hörspielserie ist, dass die Geschichten aus dem Holmes-Kanon weitererzählt werden, also aufgegriffen und in die Jetztzeit verlegt werden, die alten Figuren wieder auftauchen, aber auch neue hinzukommen. Es fühlt sich so an, wie in einem schönen gemütlichen Raum, in dem man alles kennt, in dem alles vertraut ist, wo man aber mal das Fenster geöffnet hat, und in den man so mal kurz frische Luft gelassen hat. Ich glaube, dass man große Freude an der neuen Serie haben kann, wenn man sich drauf einlässt. Und das sollte man! Es lohnt sich!

Deine Lieblingsfälle…

Mir haben sehr gut die Folgen »Die Spur des Teufels« und die letzte Folge gefallen. Aber da werden sich die Hörer noch ein wenig gedulden müssen, bis sie die Fälle hören können. Und ich verrate nicht, warum sie mir so gut gefallen haben. Das wird man sehr schnell raushören.

Die Aufnahmen…

Die Aufnahmen waren fantastisch! Unter der Regie von Viviane und Leonhard Koppelmann arbeiten zu dürfen, ist immer eine große Freude. Die beiden wissen genau, wo sie mit den Figuren hinwollen, man bietet ihnen etwas an, sie führen die Idee dann weiter und inszenieren einen so, dass alle am Schluss mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein können. Also ein hochkonzentriertes, schönes Arbeiten.

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Und dann unter den wachsamen Ohren von Jean-Boris Szymczak, einem Meister des Tons. Es gibt ja nicht viele, die so arbeiten wie er. Man steht in einem großen Hörspielstudio vor den Mikrofonen, eingefasst in vier Ton-Stellwände, man soll eine Szene spielen, die in einem Kloster spielt und Jean kommt rein, schiebt zwei der Ton-Stellwände etwas nach außen und schon klingt das Ganze so, als wäre man in einem Kloster. In der nächsten Szene sitzt man im Diogenes Club beim Whiskey, Jean kommt rein, verschiebt wieder die Stellwände und schon klingt es wie ein intimer Clubraum, das fasziniert mich immer wieder.

Und dann die großartigen Partner Johann von Bülow und Florian Lukas! Wir kannten uns vorher nicht, haben uns aber bei einem Stück Sherlock-Holmes-Kuchen (den der Audio Verlag extra gebacken hat!) und einer Tasse Kaffee kennengelernt, und die Chemie stimmte sofort. Wir hatten viel Spaß bei den Aufnahmen (auch im schalltoten Raum) und haben sowohl Watson als auch die beiden Holmes-Brüder zu neuem Leben erweckt. Ich bin sehr gespannt auf die fertigen Folgen!


Noch mehr Infos über Kai Magnus Sting und seine Projekte gibt es auf www.kaimagnussting.de.


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