„Ich habe erfahren, was es bedeutet, arm zu sein, und ich habe erfahren, was es bedeutet, recht wohlhabend zu sein. Ich hatte eine lange Karriere als Schriftsteller, nach einem Medizinstudium, das ich mit Doktortitel abschloss. Ich habe mich an einer Vielzahl von Sportarten versucht, darunter Boxen, Kricket, Autorennen und Skifahren, wobei ich der erste war, der letzteres für längere Strecken in der Schweiz einführte. Ich bin als Schiffsarzt auf einem Walfischfänger durch die Arktis gereist und habe an drei Kriegen teilgenommen…“

Arthur Ignatius Conan Doyle, der Autor der Sherlock-Holmes-Geschichten, führte ein bewegtes Leben. Aber wie wurde aus dem kleinen Jungen aus Edinburgh der gefeierte Autor des wohl berühmtesten Ermittler-Duos der Literaturgeschichte? Wir stellen euch den Autor der Sherlock Holmes Geschichten noch einmal vor.

Geboren wurde ACD am 22. Mai 1859 im schottischen Edinburgh als Sohn von Charles Altamont Doyle (Beamter, Alkoholiker, Hobbyillustrator) und dessen Ehefrau Mary Josephine Foley (Hausfrau und Mutter, begeisterte Leserin, Geschichtenerzählerin). Er war das erste Kind des Ehepaars, es folgten acht weitere. Arthur Conan Doyle würde seine Kindheit später als „spartanisch“ beschreiben, und es war die Mutter, die die Familie mit ihrem zupackenden Wesen, den Geschichten und der Liebe zur Literatur zusammenhielt. Und so schrieb der kleine Arthur schon im Alter von fünf Jahren seine erste Geschichte über einen Jäger und einen bengalischen Tiger – noch kam er mit 36 Wörtern aus. Arthur war zudem ein fleißiger Leser, sein Lieblingsbuch lange Zeit Sir Walter Scott’s „Ivanhoe“.

Ausbildung

Im Alter von sieben Jahren nahm der junge Arthur Doyle seine Ausbildung an der Newington Academy auf, eine Zeit, die er später als „noch spartanischer“ als das Leben zu Hause bezeichnen sollte. Über seinen Lehrer schrieb er: „In der Zeit zwischen meinem siebten und neunten Lebensjahr litt ich unter diesem pockennarbigen, einäugigen Halunken, der einer Dickens-Geschichte entsprungen zu sein schien.“ Überhaupt hatte Arthur Doyle nur wenig übrig für den religiösen Rigorismus seiner Lehrer. Seine Liebe galt der Sprache und dem Sport (Cricket, Rugby, Fußball, Golf, Wintersport).

Auf Anraten seiner Mutter, zu der er ein enges Verhältnis pflegte, nahm ACD ein Medizinstudium an der Universität von Edinburgh auf, eine der besten medizinischen Fakultäten der Zeit. Dort traf er auch Dr. Joseph Bell, dessen Assistent er wurde. Mehr als einmal war ACD verblüfft, dass dieser durch bloße Beobachtung und Analyse der Fakten nicht nur eine Krankheit diagnostizierte sondern auch Details über den persönlichen und beruflichen Hintergrund seiner Patienten ermittelte. „Einem Publikum aus Watsons“, scherzte Arthur Conan Doyle Jahre später, „erschien das alles als reinste Magie, bis man es ihm schließlich erklärte, und dann war es eigentlich ganz einfach.“ Dr. Joseph Bell gilt heute als Vorlage für Sherlock Holmes, zurecht!

Die Abenteuer des Arthur Conan Doyle

Zeitlebens war Arthur Conan Doyle ein wissbegieriger, reiselustiger und vielfältig interessierter Mann. So nahm er sich 1880 eine Auszeit von seinen Studien und reiste als Schiffsarzt auf einem britischen Walfänger in die Arktis, eine Reise, die ihm zu dem Text „The Captain of the Pole Star“ inspirieren sollte. Über die Reise schrieb er in seinem Tagebuch: „Ich wurde erwachsen, auf 80 Grad nördlicher Breite“, und seiner Mutter wusste er zu berichten:

liebste Ma’am,

an erster Stelle wirst Du erfreut sein zu hören, dass ich mein Leben lang nie glücklicher war. Ich fürchte, ich habe eine starke bohemehafte Ader, und dieses Leben scheint wie für mich geschaffen…“

Weitere Reisen führten ACD nach Südafrika, wo er als Arzt während des Burenkrieges in einem Feldlazarett hospitierte. Nach seiner Rückkehr schrieb er eine längere Abhandlung mit dem Titel „War in South Africa: Its Causes and Conduct“, wofür er zum Ritter geschlagen wurde. Gerüchte besagen, dass Edward der 7., ein begeisterter Leser der Sherlock-Holmes-Geschichten, den Autor so dazu bewegen wollte, weitere Sherlock-Geschichten zu schreiben.

1894 unternahm der auch ansonsten sportbegeisterte Arthur Conan Doyle eine der ersten dokumentierten hochalpinen Skitouren der Schweiz. Gemeinsam mit seinen Begleitern startete er in Davos und überquerte die 2.436 Meter hohe Maienfelder Furka. „Wir genossen den Blick auf ein ganzes Panorama von Bergen, meine Leser werden erleichtert sein, dass ich ihre Namen komplett vergessen habe.“ Von dort ging es auf einer waghalsigen Abfahrt hinunter nach Arosa. In seiner Reportage schrieb Doyle später: „Nichts auf der Welt ist so launenhaft wie Ski,“ ließ sich aber auch zu einer kühnen Prognose hinreißen: „Ich bin überzeugt, dass eine Zeit kommen wird, in der Hunderte von Engländern zur Skisaison im März und April in die Schweiz fahren werden.“ – Er sollte recht behalten.

Aber nicht nur für den damals noch völlig unpopulären Skisport begeisterte sich Arthur Conan Doyle. Er war zudem einer der ersten Rennfahrer Großbritanniens. Ohne je gefahren zu sein, kaufte er sich einen Wagen und nahm 1911 gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau an der Prince Henry Tour teil. Auch für Fußball begeisterte er sich, und stand für den Portsmouth Association Football Club im Tor.

Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes

Während all dieser Abenteuer schrieb Arthur Conan Doyle seine Geschichten. Im Alter von 23 Jahren verfasste er seinen ersten Roman „The Narrative of John Smith“, der unglücklicherweise auf dem Weg zum Verlag verloren ging. Der Autor versuchte daraufhin, die Geschichte aus der Erinnerung erneut niederzuschreiben, kam allerdings nur bis Kapitel sechs.

Dieser Rückschlag sollte ACD nicht davon abhalten, sich weiterhin dem Schreiben zu widmen, und 1887 veröffentlichte er den ersten Fall von Sherlock Holmes und Dr. Watson „A Study in Scarlet“. Es erschienen nur drei weitere Romane um den „Consulting Detective“, dazu allerdings noch 56 Kurzgeschichten. Insgesamt schrieb ACD 21 Romane und über 150 Kurzgeschichten – zusätzlich zu den zahlreichen Artikeln, Essays und Gedichten, die er für verschiedene Zeitungen und Magazine verfasste. Trotzdem sind es die Geschichten um Sherlock Holmes, die noch heute Millionen von Lesern und Hörern faszinieren, und unzählige Autoren haben sich des Stoffes seither angenommen, ihn in die Jetztzeit versetzt, sich der Kindheit von Sherlock Holmes angenommen, haben dem Mythos neue Facetten beigefügt. Filme, Serien, Hörbücher- und Hörspiele – für Sherlock-Holms-Fans gibt es weiterhin viel zu entdecken – ab Oktober dann auch bei DAV: Sherlock & Watson. Neues aus der Baker Street.

P.S. Freut euch auf weitere ausführliche Artikel. Demnächst: Von den ersten Pastiches bis zu den Film- und Fernsehproduktionen der Gegenwart.


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